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Hausgemachte Feijoa-Marmelade

Feijoa-Marmelade: Genial aromatisch

Manche Früchte schaffen es schon mit ihrem Duft, einen gewöhnlichen Moment in eine kleine Entdeckungsreise zu verwandeln. Die Feijoa gehört ganz eindeutig dazu. Von außen wirkt sie mit ihrer grünen, leicht rauen Schale eher zurückhaltend. Schneidet man sie jedoch auf, entfaltet sich ein überraschendes Aroma, das an Ananas, Guave, Erdbeeren und einen Hauch Minze erinnert. Genau diese Mischung macht die Frucht zu einer wunderbaren Grundlage für Marmelade.

Hausgemachte Feijoa-Marmelade ist hierzulande noch immer etwas Besonderes. Während Erdbeer-, Kirsch- oder Aprikosenkonfitüre fast überall zu finden sind, begegnet man dem exotisch duftenden Brotaufstrich nur selten im Supermarkt. Umso schöner ist es, ihn selbst zuzubereiten. Dabei braucht es weder komplizierte Geräte noch jahrelange Erfahrung am Einkochtopf. Frische Früchte, Gelierzucker, Zitronensaft und ein wenig Geduld reichen bereits aus.

Besonders reizvoll ist die Verwandlung während des Kochens. Aus dem zunächst blassgrünen Fruchtfleisch entsteht eine goldgelbe bis leicht bernsteinfarbene Marmelade. Ihr Geschmack ist süß, fein säuerlich und überraschend vielschichtig. Auf einem warmen Brötchen schmeckt sie ebenso gut wie zu Naturjoghurt, Pfannkuchen oder mildem Käse.

Feijoas werden auch als Ananasguaven bezeichnet. Botanisch handelt es sich bei ihnen jedoch nicht um echte Guaven. Reife Früchte geben bei sanftem Druck leicht nach und duften angenehm süßlich. Sehr harte Exemplare können bei Zimmertemperatur noch einige Tage nachreifen.

Das folgende Rezept ist auf ungefähr 2.000 Gramm fertige Marmelade ausgelegt. Der tatsächliche Ertrag kann geringfügig schwanken, da Früchte unterschiedlich viel Wasser enthalten und beim Kochen nicht immer exakt dieselbe Flüssigkeitsmenge verdampft. Wer sauber arbeitet, die Gelierprobe ernst nimmt und die Gläser sorgfältig vorbereitet, erhält jedoch einen wunderbar fruchtigen Vorrat für viele gemütliche Frühstücksmomente.

Hausgemachte Feijoa-Marmelade für etwa 2.000 Gramm

Für dieses Rezept werden ungefähr 1.350 Gramm vorbereitetes Feijoa-Fruchtfleisch benötigt. Da Schalen, Blütenansätze und möglicherweise beschädigte Stellen entfernt werden, sollte man beim Einkauf etwa 1.700 bis 1.900 Gramm ganze Früchte einplanen.

Der Gelierzucker im Verhältnis 2:1 sorgt dafür, dass der Fruchtgeschmack nicht von übermäßiger Süße überdeckt wird. Gleichzeitig verleiht er der Marmelade eine zuverlässig streichfähige Konsistenz.

Zeitaufwand im Überblick

ArbeitsschrittBenötigte Zeit
Benötigte Gesamtzeitca. 75 Minuten
Zubereitungszeitca. 45 Minuten
Kochzeitca. 30 Minuten

Die Kochzeit umfasst das Erhitzen der Fruchtmasse, das eigentliche sprudelnde Kochen sowie das heiße Abfüllen. Das Abkühlen der Gläser ist in der Gesamtzeit nicht enthalten.

Zutaten für 2.000 Gramm fertige Marmelade

ZutatMengeHinweise
Feijoa-Fruchtfleisch1.350 gentspricht etwa 1.700–1.900 g ganzen Früchten
Gelierzucker 2:1900 gPackungsangaben zusätzlich beachten
Zitronensaft80 mlfrisch gepresst
Wasser oder naturtrüber Apfelsaft100 mlje nach gewünschtem Aroma
Vanille1 TLoptional, als Paste oder Extrakt
Fein abgeriebene Zitronenschale1 TLnur von einer unbehandelten Zitrone
Salz1 kleine Prisehebt das Fruchtaroma hervor

Die Menge ergibt ungefähr 2.000 Gramm fertigen Fruchtaufstrich. Je nach Kochdauer und Wassergehalt der Feijoas kann der Ertrag um etwa 100 Gramm nach oben oder unten abweichen.

Wer möglichst genau 2.000 Gramm erhalten möchte, kann die fertige Marmelade nach dem Kochen in einem hitzebeständigen Gefäß wiegen. Ist die Masse noch etwas zu schwer und gleichzeitig zu flüssig, darf sie eine weitere Minute sprudelnd kochen. Ist sie bereits sehr dick, sollte sie nicht unnötig weiter reduziert werden.

Benötigte Küchenutensilien

KüchenutensilVerwendung
Große SchüsselFruchtfleisch sammeln und abwiegen
SchneidebrettFeijoas vorbereiten
Scharfes KüchenmesserFrüchte halbieren und beschädigte Stellen entfernen
TeelöffelFruchtfleisch aus der Schale lösen
KüchenwaageZutaten und Ertrag kontrollieren
Großer, hoher KochtopfMarmelade sicher aufkochen
KochlöffelFruchtmasse umrühren
Pürierstab oder Standmixergewünschte Konsistenz herstellen
ZitruspresseZitronensaft gewinnen
Kleine UntertasseGelierprobe durchführen
Marmeladentrichtersauberes Einfüllen erleichtern
Suppenkelleheiße Marmelade portionieren
Saubere Schraubgläserfertige Marmelade aufbewahren
Küchenzangeheiße Gläser oder Deckel anfassen
Sauberes KüchentuchArbeitsfläche und Gläser trocknen

Der Topf sollte deutlich größer sein, als es die reine Zutatenmenge vermuten lässt. Marmelade steigt beim sprudelnden Kochen stark nach oben. Ein zu kleiner Topf führt schnell zu klebrigen Überraschungen auf dem Herd.

Welche Feijoas eignen sich für Marmelade?

Reife Früchte erkennen

Reife Feijoas besitzen eine grüne Schale und geben bei vorsichtigem Fingerdruck leicht nach. Sie sollten nicht matschig sein, dürfen sich aber auch nicht steinhart anfühlen. Ein angenehmer, süßlich-exotischer Duft ist ein gutes Zeichen.

Nach dem Aufschneiden zeigt sich im Inneren meist ein helles Fruchtfleisch mit einem weicheren, geleeartigen Kern. Leichte Braunfärbungen können bei sehr reifen Früchten vorkommen. Großflächige dunkle Stellen, Schimmel oder ein gäriger Geruch sind dagegen Gründe, die Frucht zu entsorgen.

Unreife Feijoas schmecken häufig herb und wenig aromatisch. Sie können einige Tage bei Zimmertemperatur nachreifen. Sobald sie angenehm duften und leicht nachgeben, sollten sie zeitnah verarbeitet werden.

Darf die Schale mitgekocht werden?

Die Schale ist grundsätzlich essbar, schmeckt jedoch deutlich herber als das weiche Innere. Für eine feine, harmonische Marmelade empfiehlt es sich, das Fruchtfleisch mit einem Löffel herauszulösen.

Wer eine kräftigere, leicht bittere Note mag, kann einen kleinen Teil der gründlich gewaschenen Schale mitverarbeiten. Mehr als zehn Prozent der gesamten Fruchtmenge sollten es beim ersten Versuch jedoch nicht sein. Andernfalls kann der herbe Geschmack die exotische Süße überdecken.

Gläser richtig vorbereiten

Sauberkeit ist beim Einkochen das A und O. Rückstände oder Verunreinigungen können die Haltbarkeit deutlich verkürzen.

Die Gläser und Deckel zunächst gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel reinigen. Anschließend mit klarem Wasser nachspülen. Danach können sie für etwa zehn Minuten in kochendes Wasser gelegt oder in einem dafür geeigneten Programm der Spülmaschine gereinigt werden.

Die Gläser bis zum Befüllen möglichst heiß halten. Kaltes Glas kann durch den Temperaturunterschied springen, wenn kochende Marmelade eingefüllt wird.

Deckel sollten keine Roststellen, Dellen oder beschädigten Dichtflächen aufweisen. Alte Deckel, die bereits mehrfach verwendet wurden, schließen manchmal nicht mehr zuverlässig. Im Zweifel ist ein neuer Deckel die bessere Wahl.

Feijoa-Marmelade Schritt für Schritt zubereiten

1. Früchte waschen und kontrollieren

Die Feijoas unter fließendem Wasser gründlich abwaschen und anschließend trocknen. Jede Frucht auf Druckstellen, Schimmel und andere Beschädigungen prüfen.

Die Blütenansätze und harten Enden mit einem scharfen Messer entfernen. Danach die Früchte der Länge nach halbieren.

2. Fruchtfleisch herauslösen

Das weiche Innere mit einem Teelöffel aus den Schalen lösen und direkt in eine große Schüssel geben. So lange weiterarbeiten, bis 1.350 Gramm vorbereitetes Fruchtfleisch erreicht sind.

Dieser Arbeitsschritt braucht etwas Zeit, ist aber überraschend entspannend. Nach wenigen Minuten erfüllt der typische Feijoa-Duft die Küche – frisch, blumig und ein wenig tropisch.

3. Fruchtmasse pürieren

Das Fruchtfleisch in den hohen Kochtopf geben. Wasser oder Apfelsaft, Zitronensaft, Zitronenschale und nach Wunsch Vanille hinzufügen.

Mit dem Pürierstab bis zur gewünschten Konsistenz verarbeiten. Wer eine glatte Marmelade bevorzugt, püriert die Masse vollständig. Für einen rustikalen Fruchtaufstrich dürfen kleine Stückchen erhalten bleiben.

4. Gelierzucker einrühren

Den Gelierzucker langsam in die kalte oder höchstens lauwarme Fruchtmasse einrühren. Darauf achten, dass keine trockenen Zuckerklumpen am Topfboden zurückbleiben.

Die Mischung anschließend etwa fünf Minuten stehen lassen. In dieser Zeit beginnt der Zucker, Flüssigkeit aus dem Fruchtfleisch zu ziehen.

5. Marmelade aufkochen

Die Frucht-Zucker-Mischung unter regelmäßigem Rühren erhitzen. Sobald sie deutlich sprudelnd kocht, beginnt die eigentliche Kochzeit.

Die Marmelade nach den Angaben auf der Gelierzuckerpackung kochen. Bei vielen Produkten beträgt die empfohlene sprudelnde Kochzeit etwa drei bis vier Minuten. Die Masse muss währenddessen wirklich kräftig blubbern und darf nicht nur leise köcheln.

Ständig umrühren, besonders am Topfboden. Zuckerhaltige Fruchtmasse kann rasch anbrennen.

6. Gelierprobe durchführen

Vor dem Kochen eine kleine Untertasse in den Kühlschrank oder kurz in das Gefrierfach stellen.

Nach der empfohlenen Kochzeit einen Teelöffel Marmelade auf die kalte Untertasse geben. Etwa 30 Sekunden warten und anschließend mit dem Finger oder Löffel durch die Masse fahren.

Bleibt die Spur sichtbar und läuft nicht sofort wieder zusammen, ist die Konsistenz ausreichend. Wirkt die Probe noch sehr flüssig, die Marmelade eine weitere Minute kochen und erneut testen.

Dabei nicht vergessen: Heiße Marmelade ist immer flüssiger als abgekühlte. Wer sie zu lange kocht, erhält später möglicherweise eine sehr feste Masse.

7. Abschmecken

Jetzt kommt der schönste Moment. Einen kleinen Klecks der Marmelade vorsichtig abkühlen lassen und probieren.

Ist sie zu süß, kann ein kleiner Schuss Zitronensaft helfen. Fehlt ihr Tiefe, wirkt eine winzige Prise Salz manchmal erstaunlich gut. Vanille sollte dezent bleiben und den Feijoa-Geschmack lediglich abrunden.

Nach zusätzlichen Zutaten muss die Masse nochmals kurz vollständig aufkochen.

8. Heiß abfüllen

Die fertige Marmelade sofort in die vorbereiteten heißen Gläser füllen. Ein Marmeladentrichter verhindert, dass die Glasränder verschmutzen.

Etwa fünf Millimeter Platz bis zum Rand lassen. Eventuelle Spritzer mit einem sauberen, feuchten Tuch entfernen und die Gläser unmittelbar fest verschließen.

Ein zusätzliches Umdrehen der Gläser ist bei sauber vorbereiteten Gefäßen und heißem Abfüllen normalerweise nicht erforderlich. Aufrecht stehend können die Deckel kontrolliert und die Gläser sicher abgekühlt werden.

Warum wird die Marmelade manchmal braun?

Feijoa-Fruchtfleisch oxidiert nach dem Aufschneiden ähnlich wie Apfel oder Birne. Dadurch kann es sich langsam bräunlich verfärben. Zitronensaft verlangsamt diesen Prozess und bringt gleichzeitig eine angenehme Frische in das Rezept.

Auch längeres Kochen führt zu einer dunkleren Farbe. Die Marmelade kann sich von Hellgelb über Gold bis zu einem warmen Bernsteinton entwickeln. Das ist nicht automatisch ein Qualitätsmangel.

Soll die Farbe möglichst hell bleiben, empfiehlt es sich:

  • das Fruchtfleisch zügig zu verarbeiten,
  • den Zitronensaft früh hinzuzugeben,
  • einen ausreichend großen Topf zu verwenden,
  • nur so lange wie nötig zu kochen,
  • die Marmelade sofort heiß abzufüllen.

Was tun, wenn die Marmelade nicht fest wird?

Ist der Fruchtaufstrich nach 24 Stunden noch zu flüssig, muss er nicht gleich entsorgt werden. Zunächst lohnt sich etwas Geduld, denn manche Geliermittel benötigen längere Zeit, um vollständig fest zu werden.

Bleibt die Masse flüssig, kann sie erneut aufgekocht werden. Dafür die Gläser öffnen, den Inhalt in einen sauberen Topf geben und je nach Menge etwas Zitronensaft oder zusätzliches Geliermittel einrühren.

Anschließend erneut eine Gelierprobe durchführen und die heiße Masse in frisch gereinigte Gläser füllen.

Eine zu flüssige Marmelade schmeckt übrigens trotzdem. Sie eignet sich hervorragend als Fruchtsauce für Joghurt, Milchreis, Eis, Porridge oder Pfannkuchen.

Geschmackliche Variationen

Hausgemachte Feijoa-Marmelade lässt sich mit wenigen Zutaten abwechslungsreich verändern. Dabei sollte das besondere Aroma der Frucht im Mittelpunkt bleiben.

Feijoa mit Apfel

Ein Teil des Fruchtfleisches kann durch säuerliche Äpfel ersetzt werden. Das Ergebnis wird milder, vertrauter und oft etwas fester. Ein Verhältnis von drei Teilen Feijoa zu einem Teil Apfel eignet sich gut.

Feijoa mit Ingwer

Frisch geriebener Ingwer bringt eine angenehme Schärfe. Für die gesamte Rezeptmenge reichen etwa zehn bis fünfzehn Gramm. Zu viel Ingwer könnte die feinen Fruchtnoten überlagern.

Feijoa mit Limette

Anstelle von Zitrone kann Limettensaft verwendet werden. Dadurch erhält der Aufstrich eine besonders frische, fast sommerliche Richtung.

Feijoa mit Zimt

Eine kleine Zimtstange darf während des Kochens mitziehen und wird vor dem Abfüllen entfernt. Diese Variante passt wunderbar in die kühlere Jahreszeit.

Feijoa mit Birne

Reife Birnen machen die Marmelade weich, rund und besonders aromatisch. Da Birnen von Natur aus süß sind, sollte der Zitronensaft nicht reduziert werden.

Haltbarkeit und richtige Lagerung

Ungeöffnete, sauber eingekochte Gläser sollten kühl, trocken und möglichst dunkel gelagert werden. Ein Vorratsschrank oder kühler Keller ist dafür gut geeignet.

Unter hygienischen Bedingungen ist die Marmelade häufig etwa sechs bis zwölf Monate haltbar. Entscheidend sind jedoch der Zuckergehalt, die Sauberkeit der Gläser, der sichere Verschluss und die Lagertemperatur.

Vor dem Öffnen sollte jedes Glas kontrolliert werden. Ein nach außen gewölbter Deckel, austretende Flüssigkeit, Schimmel, Bläschen oder ein unangenehmer Geruch weisen auf Verderb hin. In einem solchen Fall muss der gesamte Inhalt entsorgt werden. Ein bloßes Entfernen sichtbarer Schimmelstellen reicht nicht aus.

Nach dem Öffnen gehört das Glas in den Kühlschrank. Verwende zur Entnahme immer einen sauberen Löffel. So bleibt der Inhalt länger frisch.

Wozu passt Feijoa-Marmelade?

Der exotische Fruchtaufstrich ist viel vielseitiger, als es der klassische Frühstückstisch vermuten lässt.

Er schmeckt besonders gut:

  • auf frischem Brot, Toast oder Croissants,
  • in Naturjoghurt und Quark,
  • zu Pfannkuchen, Waffeln und Crêpes,
  • als Füllung für Torten und Plätzchen,
  • auf Milchreis oder Grießbrei,
  • zu mildem Frischkäse,
  • als süßer Kontrast zu Brie oder Ziegenkäse,
  • in Salatdressings mit Essig und Öl,
  • als Glasur für Obstkuchen.

Auch als kleines Geschenk aus der Küche macht die Marmelade einiges her. Ein schlichtes Etikett, ein Stoffrest über dem Deckel und eine handgeschriebene Karte reichen bereits aus. Da der Geschmack vielen Menschen noch unbekannt ist, sorgt ein solches Glas fast immer für neugierige Fragen.

Schluss: Eine kleine Geschichte aus der Marmeladenküche

Meine erste Begegnung mit Feijoas war alles andere als spektakulär. Die Früchte lagen in einer unscheinbaren Papiertüte auf dem Küchentisch. Grün, oval, ein wenig rau – ehrlich gesagt erinnerten sie eher an kleine, noch unreife Avocados als an etwas, das später einmal für Begeisterung sorgen sollte.

Ein Bekannter hatte sie aus seinem Garten mitgebracht. „Warte, bis du sie aufschneidest“, hatte er gesagt und dabei so geheimnisvoll gelächelt, als hätte er keinen Beutel Obst, sondern eine Schatzkarte überreicht.

Natürlich blieb die Tüte zunächst liegen. Es gab Arbeit, Termine und all diese Kleinigkeiten, die einen Tag schneller verschwinden lassen, als einem lieb ist. Zwei Abende später bemerkte ich beim Vorbeigehen einen süßen Duft. Er war nicht aufdringlich. Eher wie eine Mischung aus reifer Ananas, frischen Erdbeeren und den Kräutern, die nach einem Sommerregen im Garten riechen.

Jetzt war die Neugier geweckt.

Ich nahm die weichste Frucht, schnitt sie in der Mitte durch und betrachtete das helle, fast durchscheinende Innere. Der erste Löffel schmeckte unerwartet. Süß, säuerlich, blumig und gleichzeitig frisch – als hätte jemand mehrere vertraute Früchte zu einem völlig neuen Geschmack zusammengesetzt.

Doch die Feijoas waren reif, sehr reif sogar. Sie mussten verarbeitet werden. Also entstand der Plan für Hausgemachte Feijoa-Marmelade. Kein überliefertes Familienrezept, kein vergilbter Zettel aus einer Schublade, sondern ein Versuch mit ungewissem Ausgang.

Das Ausschaben der Früchte dauerte länger als gedacht. Der erste Löffel landete in der Schüssel, der zweite ebenfalls und der dritte irgendwie im Mund. Nach und nach türmte sich das Fruchtfleisch zu einer duftenden Masse. Es sah zunächst nicht besonders eindrucksvoll aus. Blass, weich und stellenweise leicht bräunlich – kulinarische Eleganz sieht anders aus.

Dann kamen Zitronensaft und Zucker hinzu.

Während sich die Masse im Topf erwärmte, veränderte sich die ganze Küche. Der Duft wurde voller und wärmer. Er erinnerte an tropische Früchte, aber auch an Apfelkompott und ein wenig an frisch gemähte Kräuter. Klingt ungewöhnlich? War es auch. Und gerade deshalb konnte ich kaum aufhören, über dem Topf zu schnuppern.

Beim ersten Aufkochen wurde es hektisch. Die Masse stieg viel schneller hoch als erwartet. Für einen Moment sah es so aus, als würde der gesamte Herd in klebriger Feijoa verschwinden. Topf vom Feuer, tief durchatmen, kurz lachen – und beim zweiten Versuch mit geringerer Hitze weitermachen.

Die erste Gelierprobe war enttäuschend. Der Klecks lief über den Teller, als hätte er es eilig. Also noch eine Minute kochen. Die zweite Probe sah besser aus, aber noch nicht richtig überzeugend. Erst beim dritten Versuch blieb die Spur des Löffels deutlich sichtbar.

Beim Abfüllen färbte die tiefgoldene Masse die heißen Gläser. Aus dem unscheinbaren grünen Obst war etwas entstanden, das beinahe wie flüssiger Bernstein aussah. Die Deckel wurden fest zugeschraubt, die Gläser in einer Reihe aufgestellt und anschließend immer wieder kontrolliert – obwohl sich durch bloßes Ansehen natürlich nichts beschleunigen ließ.

Am nächsten Morgen kam der entscheidende Moment.

Ein Glas wurde geöffnet. Der Deckel knackte leise, genau so, wie er sollte. Die Marmelade war weich, aber nicht flüssig. Sie ließ sich glatt auf einem noch warmen Brötchen verteilen. Der erste Bissen schmeckte intensiver als die rohe Frucht. Die Säure der Zitrone hielt die Süße im Gleichgewicht, während die Feijoa ihr volles Aroma zeigte.

Und plötzlich war da diese besondere Zufriedenheit, die nur selbst gemachte Vorräte auslösen können. Man sieht ein Glas im Regal und erinnert sich nicht nur an seinen Geschmack. Man erinnert sich an klebrige Finger, an den Duft in der Küche, an die misslungene erste Gelierprobe und an das erleichterte Lachen, als der Topf gerade noch rechtzeitig vom Herd genommen wurde.

Einige Gläser wurden verschenkt. Fast jeder reagierte zunächst ähnlich: „Feijoa? Was ist das denn?“ Nach dem Probieren folgte meistens ein überraschter Blick – und unmittelbar danach die Frage, ob noch ein zweites Glas übrig sei.

Genau darin liegt für mich der Zauber dieses Rezepts. Es konserviert nicht nur Früchte. Es bewahrt einen kleinen Moment des Entdeckens. Etwas Unbekanntes wird aufgeschnitten, probiert, gekocht und schließlich zu einem Geschmack, den man mit einer ganz persönlichen Geschichte verbindet.

Seit diesem ersten Versuch gehört ein Glas Feijoa-Marmelade für mich nicht mehr nur auf den Frühstückstisch. Es ist eine Erinnerung daran, dass sich hinter einer unscheinbaren grünen Schale etwas Außergewöhnliches verbergen kann. Man muss sich lediglich die Zeit nehmen, sie zu öffnen.